X-Trans RAW (Post)Prozess, Teil I

 

Was geht in Sachen RAW Entwicklung im November 2012, und hat sich mit dem Release der Lightroom Version 4.2  in der  “Wasserfarben Effekt Affäre ;)” was getan? Das erfahrt ihr auf sachlicher Ebene, und ohne Vernachlässigung wesentlicher künstlerischer Aspekte im folgenden Artikel!

Grundlegend, dreht sich dieser Post um die RAW-Entwicklung von X-Trans Sensor basierten Kameras, wie der Fuji X-Pro 1 bzw. XE(die Bilder sind mit der X-Pro 1 und dem Fujinon 35/f1.4 enstanden) und lässt sich deshalb nicht auf Kameras mit einer klassischen Bayer-Matrix übertragen. Ein gewisses Grundwissen setze ich mal vorraus, wenn etwas unklar sein sollte fragt ruhig via Kommentarfunktion. Berücksichtigt wird hierbei das finale Ergebnis, das in diesem Fall in Sachen Colorit, Dynamik, Gradation, Korn und Schärfe(auch Bokeh) möglichst nah an eine beliebige Filmcharakteristik(z.B. Velvia, Provia, Portra 160 NC) angepasst werden soll. Dabei zeige ich einfach mal verschiedene Varianten, und wie man zum gewünschten Ergebnis kommen kann. Was sich wie auswirkt, das seht ihr am besten selber:

I) Silkypix 4, Gradationskurve, Semi-realisitisches Korn, Selektive Schärfemaske

II) OOC Jpeg, Hightlights+Shadows+Rauschen -2, Schärfe -2, USM non-selektiv

 

III) Lightroom 4.2(Testversion) + VSCO II Kodak Portra + Creamy Highlights

 

IV) RPP64(Raw Photo Processor), 16-bit TIFF + PS Gradationskurven (klassische S-Kurve + Anpassung R/B ), selektive USM

 

V)RPP64, Kodachrome ♥ / L* Kurve und nicht lineare Belichtungskompression von +0,8 Blendenstufen, PS Gradationen,Colorit und selektive USM. Eigens entwickeltes, Photoshop basiertes, Verfahren zur natürlichen Filmkornsimulierung

 

VI) Zum Vergleich, subjektiv zu schlecht um regulär anzutreten: Lightroom 4.2, Standard Einstellungen. Trotzdem kann Lightroom in gewissen Situation zwangsweise zum Tool der Wahl werden.

 

Sicherlich habt ihr nach mehrfachem scrollen jetzt euren eindeutigen Favoriten (über einen Kommentar welchen freue ick mich jederzeit). Aber was genau passiert bei den einzelnen auf Pixelebene, und wie wirkt sich das auf den Druck aus(Teil II). Das gucken wir uns jetzt an, also let’s start some pixel peeping :)

@100%

I) OOC Jpeg(Velvia), schön soft, mir persönlich zu glatt und perfekt

 

II) Silky 4, von den Tönen sehr nah an der OOC Entwicklung, das Korn ist noch sehr grob und verteilt sich zu gleichmäßig

 

III) LR+VSCO, signifikante Reduzierung des Wasserfarben Effekt durch VSCO Einstellungen. Es ist natürlich auch möglich das VSCO weitere Aktionen durchgeführt hat die ich übersehen habe. Nachteilig erscheint mir hier die zu normale Verteilung des Korns in allen Tonwertbereichen.

 

IV) Grain besser, aber noch nicht optimal

 

V) Filmkorn mit meiner Methode optimiert. Im direkten Vergleich zum VSCO Beispiel sieht man hier deutlich die natürliche Verteilung über den Mitteltonbereich. Filmkorn in hellen und dunklen Bildbereichen, das sich zusätzlich von der Verteilung und Größe her visuell mathematisch verhält, halte ich für künstlich und nicht existend. Keine Schärfung auf Pixelebene, RPP rendert Details einfach natürlicher was zu einem authentischen  Schärfeeindruck führt.

 

VI) Ekelig, sorry for some honest words Adobe.

 

Gucken wir uns abschließend noch 3 Beispiele auf 300% an, kommt uns sicher die Erleuchtung:

I) Das scheidet wohl aus  :(

 

II) LR + VSCO, deutlich besser, aber mir insg. zu künstlich, teilweise Treppenbildung

 

III) Mein Favorit, RPP mit ganz deutlich vorhandem Potential hier noch auf Pixelebene zu schärfen:

Gerade die gewisse Imperfektion auf Pixelebene, trägt hier meiner Meinung nach zur Klarheit und Gesamtwirkung(auch wenn das für viele im Widerspruch stehen wird) des Bildes bei. Im Gegensatz zu LR, Silky und der kamerainternen Entwicklung wird nämlich bei RPP keinerlei Korrektur der optischen Verzerrung oder chrom. Abberation gefahren(Kann auch problematisch sein, dann ist Silky das Tool der Wahl) und eine rudimentäre Demosaikmethode gefahren, was alles den Schärfeeindruck(leider auch den Reißverschluss Effekt) fördert und das sog. chroma smearing unterbindet. Durch das runterskalieren entsteht hierbei  ein kornartiger Effekt der auf den VNG Algorithmus und den noch vorhanden Zipper Effekt zurückgeht.

 

Zusammenfassung
Unter Betrachtung anderer Bildsituationen und der Erfahrung die ich damit gemacht habe, muss ich sagen: den “ultimativen  Superworkflow” für die X-Pro 1 gibt es nicht. Jedes Bild ist ein Einzelstück, und genauso zu betrachten. Für Serien gilt der Mittelwert.

Pauschal bleibt mir nur zu sagen:

  • RPP ist vielfach das mächtigste Tool, der Workflow ist etwas zeitintensiver aber sehr nah an der Enwicklung in der Dunkelkammer
  • RPP verursacht durch den VNG Algorithmus teilweise den sog. Zipper-/ Reißverschlusseffekt
  • Lightroom mit VSCO geht klar, ohne VSCO nur in Notfällen wenn die Wiederherstellung von Lichtern oder Schatten nur im RAW Prozess bewältigt werden kann und schnell erfolgen soll (ansonsten 3 Belichtungen +- 2 EV montieren)
  • Lightroom hat nach wie vor keine vernünftige Methode den X-Trans Sensor auszunutzen
  • VSCO ist super, aber der Teufel liegt im Detail und die Verwendung ist nicht uneingeschränkt zu empfehlen. In Sachen Inspiration aber ganz groß (wo es hingehen oder auch nicht hingehen soll :)).
  • Silky hilft wenn RPP zu sehr zickt (Zipper Effekt)
  • Silky ist sehr sehr nah an den OOC Entwicklungen wenn nicht sogar gleich
  • Die Kamerainterne Entwicklung ist vom Ergebnis her sehr schön, stellt aber für mich nur einen Kompromiss(Blooming, Durchzeichnung, Dynamik, Farbraum) bzw. eine schnelle Preview in welche Richtung es gehen könnte dar. Ist man z.B.  im Kegelurlaub auf Mallorca mit Klaus und Uschi und will schnell das aktuelle Titten- oder Katzenfoto ausdrucken, ist die Kamera fähig eine super Entwicklung rauszuhauen die im Auge der meißten Betrachter etwas magisches haben wird.
  • Mit RPP und Apeture können ebenfalls hervorragende Ergebnisse erzielt werden, da ich Aperture nicht besitze findet ihr hier die Ausführungen der Kollegen

Beste Grüße
Jan